RUD - Logo -->

Ein Spielplatz für die Generation 50+

Spielgeräte für Senioren? Ja, das gibt's. Königsbrunn will sie im Freizeitpark West aufstellen. Unsere Autorin hat sie getestet - und sorgte mehrmals für einen "Bong".
Von Marion Kehlenbach

Tristes graues Novemberwetter, Temperatur geradeso über null Grad – eindeutig kein Wetter, das ich für Freiluftsport wählen würde. Doch vor dem Königsbrunner Rathaus stehen nur an diesem Tag vier Sportgeräte für die Generation 50+. Die Stadt will diese oder ähnliche nächstes Jahr in ihrem Sport- und Freizeitpark West aufstellen – und hat ihre Bürger zum Ausprobieren eingeladen.

Deshalb habe mich mit Nachbarn und einigen Sängern des Liederkranzes verabredet. Ich mache ein Gerät mit vier großen, drehbaren Scheiben aus. Jan Antusch, Produktmanager der Herstellerfirma VitaGym, erklärt mir, dass ich mit diesem Gerät die Brust-, Schultern- und Rückenmuskulatur trainieren kann und dabei die Beweglichkeit der Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenke fördere. Aha.

Ich stelle mich vor zwei Scheiben und drehe beide gleichmäßig im Uhrzeigersinn. Stimmt, ich spüre durch diese große Drehbewegung, wie meine Rückenmuskeln arbeiten. Doch ein wenig eintönig ist das schon – jedenfalls bis Klaus Schlosser sich auf die andere Seite des Gerätes stellt und mit mir gemeinsam trainiert.

Er macht den Vorschlag, die Scheiben einmal asynchron zu drehen. Also die linke Scheibe im Uhrzeigersinn, die andere gegenläufig. Oder mal die Geschwindigkeit der linken Scheibe konstant halten und die der rechten Scheibe verdoppeln. Das erfordert unsere ganze Konzentration, aber diese Motorikaufgaben machen Spaß und die Bewegung wird dabei eher zur Nebensache. „Die Sportgeräte bringen mehr, wenn man weiß, welche Möglichkeiten sich dahinter verbergen“, findet auch Chordirektor Josef Hauber.

Er probiert beim zweiten Versuch des Arm- und Schultertrainers auch die unterschiedlichen Varianten aus und revidiert sein erstes, eher mäßiges Urteil über dieses Gerät. Mittlerweile wurden auch alle anderen Fitnessgeräte in Beschlag genommen. Da gibt es noch ein Gerät zum Draufsetzten und zum Draufstellen, bei denen man die Beine bewegen soll. Peter Knothe probiert diesen Gehtrainer aus, der für den 1,90-Meter-Mann etwas zu klein ausfällt.

Irene Henkel führt langsam einen Ring um ein Stahlrohr, ohne dass sich Ring und Rohr berühren. Mir scheint das irgendwie zu langweilig – wenn ich Sport treibe, möchte ich mich auch bewegen. Trotzdem probiere ich es aus und – bong – schon berühre ich mit dem Ring das Stahlrohr und verursache so ein leises Geräusch. Bong. Schon wieder. „Halte den Ring gerade und gehe mit der Ringführung mit“, will mich Rüdiger Kaulfersch motivieren. Bong.

Das sieht einfacher aus, als es ist. Das Gerät trainiert die Augen-Hand-Koordination, lese ich auf dem Hinweisschild. Falls das Gerät im Sport- und Freizeitpark West zu Einsatz kommt, werde ich meine Augen-Hand-Koordination auf jeden Fall noch – bong – trainieren müssen.

Mein Fazit: Die Geräte animieren auf jeden Fall auch Nichtsportler zur Bewegung. Die knappen Anleitungen auf den Sportgeräten schöpfen nicht das ganze Potenzial der Möglichkeiten aus. Durch die Bewegung bin ich zwar warm geworden, aber meine Hände, mit denen ich mich an den pulverbeschichteten Metallgeräten festhielt, sind mittlerweile eisig.